„...richtig harte Arbeit und körperlich anstrengend...“

„…richtig harte Arbeit und körperlich anstrengend…“

Frank Herzig sitzt auf einem hellen Sofa in der schmalen, schlauchförmigen Schattenmann-Garderobe der Turbinenhalle in Oberhausen. Um ihn herum die männliche Vorstellung von Ordnung. Die übrigen Bandmitglieder sind mit den Vorbereitungen des Auftritts beschäftigt. Die Stimmung ist locker, angenehm. Meiner einer nervöses Huhn beruhigt sich schnell, klar bei einer sympathischen Bande wie den Schattenmännern. Dem Interview geht ein kurzer Smalltalk voraus, gegenseitiges beschnuppern. Man kennst sich zwar dank Facebook und dem dazu gehörenden Messengerdienst vom Schreiben her, aber persönlich ist einfach nochmal was anderes. Passt alles, Audiogerät geparkt, los geht’s…

Jenny: Vor einem guten Jahr bin ich beim Gothic meets Rock in Kierspe auf euch aufmerksam geworden. Heute darf ich euch wieder live erleben, als Support für Megaherz. Wie gefällt euch das Tourleben? Stressig oder cool?

Frank: Ja und nein. Dadurch, dass wir alle noch Brotberufe haben, z.B. als Musiklehrer oder Luke noch studiert, ist es schon aktuell durch die Doppelbelastung stressig. Am Wochenende touren wir, in der Woche geht es zur Arbeit. Aber es macht so viel Spaß, es hängt so viel Herzblut daran, das man diese Umstände gerne in Kauf nimmt und hier ists überhaupt nicht stressig; wir haben eine tolle Crew und mit Megaherz ist es gar nicht stressig, es ist total entspannt. Ich würde es eher als musikalischen Kurzurlaub sehen.

Jenny: klingt gut ?

Frank (lächelt): absolut!

 

Jenny: Licht an ist euer Debütalbum, das stell ich mir für euch absolut geil vor… es war ja auch ein weiter Weg…

Frank (strahlt): Ja, absolut. Auch hier steckt viel Herzblut drin, viel Schweiß, viel Arbeit, viele Höhen und noch mehr Tiefen. Es dann in der Hand zu halten, dann einmal zu Umreißen was da tatsächlich passiert ist, dauert auch einen Moment. Ja, wir sind stolz – stolze Eltern quasi.

 

Jenny: Ihr seid ja sicherlich auch auf die Reaktionen eurer Fans gespannt…

Frank: Ja, das macht auch schon einen großen Teil der Spannung im Vorfeld aus. Obwohl man eigentlich nicht mit der Intention ran geht, man schreibt ein Album für die Fans, sondern über das, was einen bewegt und was von uns rauskommt. Doch man ist schon gespannt, ob es Anklang findet, finden die Leute es gut, welche Kritik äußern sie, welche Songs gefallen ihnen…

Jenny: Welches Feedback gab es bisher?

Frank: Ein durchweg positives ?  (wird leicht rot, als das Album meinerseits gelobt wird).

 

Jenny: Kommen wir mal zu eurem Song „Generation Sex“. Song und Video sind provokant, passen aber wie ich finde gut in die heutige Zeit. Der Videodreh hat doch bestimmt auch Spaß gemacht, oder?

Frank: Das unterstellen mir alle… aber ich kann eins mit Fug und Recht behaupten: Es gibt glaub ich nichts Anstrengenderes und auch nichts was einem ersten Moment (überlegt einen Moment…) peinlicher berührt als so ein Video zu drehen. Sexualität ist ja was intimes, und wenn man dann auf einmal mit einem fremden Menschen, zu dem man nur zu Drehbeginn einmal kurz „Hallo“ gesagt hat, pro forma in die Kiste steigen muss… dann so tun als ob… und dazu auch noch eine Gesangsperformance drehen muss und dem armen Mädel quasi die Ohren mit so einem anrüchigen Text wegbrüllen musst und du eigentlich härter spielen musst als du normalerweise mit dem Menschen umgehen würdest… da waren schon sehr komische Momente dabei. Caro ist superprofessionell gewesen, sie hat mir sehr den Rücken gestärkt, mir viele Bedenken genommen. Sie sagte immer „Hey du, ich bin nicht zerbrechlich, mach ruhig, das gehört dazu. Ich hab Spaß dabei“, und andere aufbauende Dinge. Dennoch war es alles andere als einfach.

Jenny: Ich hätte gedacht, dass das mit jemanden gedreht wurde, den ihr schon kennt…

Frank: Nein, du brauchst schon einen Profi, der Kamera- und Modelerfahrung hat, denn ich glaube, da muss man auch gerade bei so einem Video wissen, das ist ne andere Ebene, da schalte ich ab. Das fiel mir halt auch schwer.

Jenny: Ich glaube, wenn man wie ich z.B. sowas noch nie gemacht hat, unterschätzt man es auch und stellt es sich leichter vor.

Frank: Ich habe mir das auch einfacher vorgestellt, aber gut ? Man wurde natürlich auch im Vorfeld dann aufgezogen, aber es war in keiner Sekunde in keiner Art und Weise erotisch oder irgendwie sexuelle Spannung in der Luft. Es ist richtig harte Arbeit und körperlich anstrengend, diese Drehzeit von 10 bis 12 Stunden durchzuhalten und ich war fix und fertig, völlig groggy… Wenn das Pornogeschäft ähnlich läuft wie das, dann muss ich sagen haben die Jungs keinen Spaß und sind wirklich grandiose Schauspieler… in dem Fall Hut ab.

(Beide lachen, es besteht außerdem Einigkeit, dass man ein solches Set lieber nicht besuchen möchte… oder wollten wir doch mal Mäuschen spielen?! Wer weiß…)

 

Jenny: Warst du nervös, als die Veröffentlichung des Videos bevorstand?

Frank: Ich war erstaunlich gespannt, wir wussten ja von vornherein, dass der Song nicht jeder mag und auch nicht jeder mögen wird; und dass die Message auch viele in den falschen Hals kriegen werden. Aber die, die es begriffen haben und verstanden haben, worum es in dem Song geht, die finden den toll und hey, das ist Kunst und die Geschmäcker sind halt verschieden.

 

Jenny: Ein weiterer Song der mir sehr gut gefällt, ist „Böser Mann“. Erzähl mit bitte was zur Entstehung!

Frank: Die Idee dahinter war die Überlegung, dass wir stehen bleiben, nicht davon zu laufen, sich selber zu stellen und vor allem vereint sich Dingen und Herausforderungen des Lebens zu stellen. Ich fand die Metapher sehr schön, kenne es selber noch als Kinderspiel „Wer hat Angst vorm bösen Mann? Niemand!“ und wenn er dann kommt rennen wir davon… aber genau dieses davonrennen wollten wir nicht und das tun wir auch nicht. Außerdem ist der böse man für mich eine fiktive Figur, er kann eine beschissene Zeit im Leben sein, eine Herausforderung, eine Hürde im Job. Egal was, es ist tatsächlich auf unsere Zeit bezogen, auch wenn es in dem Song nicht politisch gemeint ist; man kann ein Zeichen setzen, aufstehen, nicht alles einfach hinzunehmen. Gegen Rassismus, Fremdenhass, wie dieser schöne Moment auf dem Rock for peace in Flensburg, diese Wir-Gefühl, das bei dem Song entsteht, gegen Vertreibung, Krieg und Fremdenhass. Es ist egal, wo du herkommst, wer du bist, was du hast. Am Ende sind wir alle gleich. Wir müssen genauso gehen, wie wir gekommen sind, nämlich nackt.

 

Jenny: Gibt es einen Song auf dem Album, der euch besonders am Herzen liegt, vielleicht eine besondere Message in euren Augen hat?

Frank: Ich hab immer mal wieder meine Favoriten, je nachdem, wie man auch emotional drauf ist. Was mit rein von der Message her besonders wichtig ist und wo ich mich selber auch beim nachdenken öfters ertappe, ist „Zahn der Zeit“. Wenn ich hier an diese Tour denke, kaum hat sie begonnen ist sie schon zu Ende. Es ist das Vergängliche, nichts ist für ewig, du kannst keinen Moment festhalten. Man kann den Moment nur genießen.

 

Jenny: Früher warst du als Gitarrist bei Stahlmann, heute hast du eine eigene Band. Im August seid ihr ebenso wie Stahlmann beim Black Castle Festival in Mannheim dabei. Ist das ein komisches Gefühl, wieder auf die alte Band zu treffen oder freust du dich?

Frank: Ich habe die Kollegen ja auch schon besucht, ich freu mich natürlich, wenn ich die Jungs seh und ich finde es sogar cool, dass man mal auf dem gleichen Festival spielt. Ich hoffe insgeheim noch, dass wir am gleichen Tag spielen, nicht, dass man sich da noch verpasst. Das wäre irgendwie saudämlich.

Jenny: Habt ihr schonmal überlegt, zusammen einen Song mit Stahlmann zu performen?

Frank: nein, da haben wir uns noch gar keine Gedanken drüber gemacht, das ist noch so weit weg. Aber hey, warum nicht? Wenn Mark mal Bock auf ein Duett hat, meine Tür steht immer offen. Wäre nicht das erste Mal, dass ich mit ihm auf der Bühne stehe (lacht).

 

Nach dem Interview wird es auch für Frank Zeit, sich langsam bühnengerecht zu stylen – nicht, dass er nicht auch so hätte auf die Bühne stürmen können. Kurzes Gespräch, Verabschiedung und selber auch Sachen packen für den Auftritt. Dass das Konzert wahnsinnigen Spaß gemacht hat habe ich euch ja bereits erzählt. Nun heißt es freuen auf den nächsten Gig und so lange „Licht an“ auf CD genießen.

 

Gerne könnt ihr auf Spotify das Ganze Probe hören, allerdings gefällt mir die Qualität der Songs von CD bedeutend besser. Vielleicht bin ich da altmodisch, aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass der Sound meiner Teufel-Anlage beim Abspielen der CD einfach mehr hermacht.

 

Infos zu Schattenmann gibt’s natürlich auf Facebook, Instagram (schattenmann_official) und der Homepage www.schattenmann.band

 

Live erleben könnt ihr Schattenmann wie folgt: (Daten gem VÖ Band)

14.04. München Backstage Werk mit Megaherz

27.04. Losheim am See, Hexentanz

28.04. Magdeburg, Factory mit Megaherz

29.04. Bremen, Tower mit Unzucht

11./12.08. Hildesheim M’era Luna

01.09. Mannheim, Black Castle Festival

08.09. Flensburg, Rock4Peace Open Air

12./13.10. Hameln, Autumn Moon Festival

26.10. Berlin,Sturm auf die Bastille Festival

27.10. Oberhausen, Kulttempel

 

 

Bilder unter dem Interview sowie Fragen: Jenny Metternich, www.lightandshadowreports.de bzw. www.lightandshadowreports.de/firebird-photography/

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