Megaherz: „...ein bisschen Drahtseilakt, die richtigen Worte zu finden...“                

Es ist Freitag, der 23.März, kurz vor 18 Uhr. Ich bin soeben in Oberhausen angekommen und auf dem Weg zum Nightliner von Megaherz. Andi, der Tourmanager, erwartet mich dort.

Meine erste Aufgabe an diesem Abend: ein face2face-Interview mit Megaherz, die auf ihrer Tour das neue Album KOMET vorstellen.

Vor dem Bus warten zusammen mit Andi Chris und Christoph, die Gitarristen der Band. Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung führen mich die Jungs in den Nightliner. Bequeme Ledersessel, gedimmtes Licht, Getränke, lockere Atmosphäre. Das Interview kann beginnen…

 

Jenny: Was ihr noch nicht wisst… ich kannte euch bis vor kurzem gar nicht, bin durch Schattenmann auf euch aufmerksam geworden. Natürlich habe ich in euerem neuen Album KOMET reingehört, es gefiel mir auch auf Anhieb gut. Laut Homepage seid ihr seit 1993 aktiv, eine lange Zeit. Erinnert ihr euch noch an euren ersten Auftritt?

Megaherz: Das war wahrscheinlich noch mit anderen Bands. Der erste Megaherz-Auftritt ist noch gar nicht so lange her, acht Jahre. Das muss im Feuerwerk gewesen sein, in München. Da waren wir die Haus- und Hof Band, ich kann es gar nicht mehr so genau sagen. Es waren echt sehr wilde Zeiten, es war glaube ich die am schlechtesten vorbereitete Band ever (lachen). Es war wirklich nur raus auf die Bühne und gib ihm.

Jenny: Klingt aber auch sehr spannend…

Megaherz: Spannend, ja. Die Frage, was passiert als nächstes, kennen alle den Song… das ist zum Glück heute nicht mehr so.

 

Jenny: Auch wenn es ein paar Jahre weniger sind, wie schaut es mit euren heutigen Auftritten aus? Seid ihr sehr aufgeregt, wenn es auf die Bühne geht oder legt sich das, wird vielleicht etwas wie Gewohnheit?

Megaherz: Das legt sich schon. Nervös ist man nicht wirklich, es ist alles so durchgetaktet, dass man eigentlich gar keine Zeit hat, sich Gedanken zu machen. Du wirst geschminkt, hast Interviews, wenig Zeit, wirst nach vorne geschoben und wenn du erst auf der Bühne bis ist es plötzlich eh schon rum.

Jenny: Klingt ganz schön stressig…

Megaherz: Ne, nicht unbedingt. Es ist zumindest kein negativer Stress, das ist ganz wichtig. Klar, wenn du auf Tour bist, fehlt dir total die Erdung. Du bist mal da, mal dort, spielst um halb zehn oder zehn, bis das Konzert fertig und alles von der Bühne ist hast du zwölf oder eins, gehst um drei ins Bett, schläfst bis um zwölf am nächsten Tag. Du brauchst die Energie am nächsten Tag wieder. Da geht’s wieder los, in die Garderobe, duschen, frühstücken, Interviews, essen ne Stunde durchschnaufen , Soundcheck…

Jenny: Also rund um die Uhr beschäftig ohne viel Freizeit…

Megaherz: Wir hatten z.B. mal eine Stunde in Hamburg oder Wien. Wenn du ankommst und es schaffst, aufzustehen, kannst du zumindest bis 13 Uhr noch was machen. Meistens sehen wir tatsächlich nur die Hinterhöfe, das ist total schade.

Jenny: Das glaube ich euch sofort, grade bei Städten wie Hamburg und Wien.

Megaherz: Ich war zumindest gestern noch auf der Reeperbahn, als einziger… Aber es war zu wenig Zeit… Viertelstunde mit dem Taxi hin, zwanzig Minuten in der Kneipe stehen und ne viertel Stunde wieder zurück.

 

Jenny: Euer Album KOMET erschien Ende Februar, ich habt doch sicherlich auch Erwartungen und Vorstellungen, was die Aufnahme durch die Fans angeht. Wie waren die Reaktionen?

Megaherz: Natürlich weißt du nicht, wie die Leute es annehmen. Du hast die Hoffnung, dass es den Leuten genauso gut gefällt wie dir. Witziger Weise haben wir im jetzigen Set unverhältnismäßig viele neue Songs und die funktionieren unwahrscheinlich gut, als ob sie schon ewig in der Setlist wären.  Das ist für uns ein gutes Zeichen und wir waren Platz 7 in den Charts, einen Platz hinter Helene Fischer. (lachen über diese gelungene musikalische Kombination) Aber das ist ja kein schlechtes Zeichen.

Jenny: Stimmt, Helene Fischer ist im Mainstream nun mal ganz oben auf. Da so nah ran zu kommen heißt schon was.

Megaherz: Absolut. 

 

Jenny: Eure Texte greifen zum Teil auch politische Themen auf. Viele Künstler halten diese Thematik gern neutral, weil man auch schnell anecken kann.

Megaherz: Das ist wirklich ein bisschen Drahtseilakt, die richtigen Worte zu finden, dass einem das nicht so verdreht wird. Bei Horrorclown und Heldengrab sind es aber auch wichtige Themen, die man ansprechen sollte. Die Zeit fordert es auch heraus, diese Themen anzusprechen. Wir denken, dass wir relativ klare Worte gefunden haben, die auch eigentlich schon richtig verstanden und auch so, wie wir uns das vorstellen, aufgenommen werden. Uns war es halt wichtig, dass wir uns bei dem, was gerade passiert, nicht wegducken. Musiker oder auch Künstler im Allgemeinen sind eigentlich die Leute, die auf sowas hinweisen. Das war schon immer so und wir haben zu dieser politischen Diskussion auch schon Kommentare gelesen wie: „Warum macht ihr das? Hab ich keinen Bock drauf, macht doch Musik, ich will mich amüsieren…“. Das ist genau das, was in unserer oberflächlichen Gesellschaft so überhandnimmt, es geht nur noch um Party und so.

Jenny: Das negative wegschieben…

Megaherz: Genau. Das ist genau der Schmarrn, genau das, was wir nicht finden. Du musst einfach auf das reagieren, das um dich herum ist, es geht gar nicht anders und dann schreibst du einfach so Texte.

Jenny: Habt ihr denn schonmal dafür negative, vielleicht richtig böse Kritik bekommen?

Megaherz: Ja, das gibt es auch. Wir haben vor einiger Zeit auf Facebook einen Post bezüglich „Nicht in meinem Namen gehabt“, die Leute gebeten, wer der Meinung ist unseren Post zu teilen. Es gab eine riesige Anteilnahme, und es gab halt auch die zwei, drei, vier Leute, die sich dann auf den Schlips getreten fühlen, aber denen kann man dann halt nicht helfen. Sorry, aber das ist halt unsere Meinung und wenn es nicht gefällt, können wir es halt einfach nicht ändern.

Jenny: Zum einen das, und zum anderen glaube ich, dass die Schwelle der Leute, manche Kommentare abzugeben, sehr sehr niedrig ist.

Megaherz: Klar, du versteckst dich hinter irgendeinem Profil, und ballerst dann aus deiner Deckung, der Sicherheit, raus. Was kann dir denn schon passieren? Eigentlich nichts…

 

Jenny: Ihr habt Horrorclown bereits angesprochen, ein Song, der auch mein Interesse geweckt hat. Könnt ihr mir etwas zu den Hintergründen erzählen?

Megaherz: (überlegen kurz) Wir haben eigentlich mit der Musik begonnen, sind dann über dieses Donald Trump-Ding gestolpert, mit dieser Mauer. Daraufhin fiel jemandem ein, dass Herr Olbrich auch einmal so ein Maueraffines Statement hatte und haben dieses dann grotesker Weise dem Trump-Sample entgegengesetzt. Das war es, was die Absurdität von Trumps Aussage zeigt und auf der andren Seite auch ein Augenzwinkern bringt, nach dem Motto: „Du redest so nen Quatsch, lass es einfach“. Man erzählt den Deutschen nicht, ob eine Mauer was Gutes ist oder nicht.

Jenny: Stimmt, die Erfahrung hatten wir lang genug.

Megaherz: Absolut, und es ist traurig, wie sich Geschichte wiederholt, dass man aus den Fehlern einfach nicht lernt.

 

Jenny: „Von oben“ ist thematisch ganz anders aufgestellt, eine kraftvolle Ballade, die ja auch etwas Persönliches von Chris beinhaltet. Ist es nicht wahnsinnig schwer, diesen Song auf die Bühne zu bringen und mit den Leuten zu teilen?

Megaherz: Ja, man schickt dann so ein paar Noten nach oben. Jeder interpretiert den Song für sich selbst. Ob man in spielt oder zuhört ist da vermutlich recht ähnlich. Das Lied ist von der Grundstimmung ja auch nicht deprimierend oder voller Selbstmitleid, sondern soll Hoffnung machen, die Musik wie ein Silberstreif am Horizont sein. Es sollte kein Downer werden, viel mehr etwas, wovon man Mut und Hoffnung schöpfen kann.

 

Jenny: Gibt es vielleicht einen Song aus dem Album KOMET, der euch besonders am Herzen liegt, eine besondere Bedeutung für euch hat?

Megaherz: Jetzt kommt unsere Standard-Antwort… (lachen)…

Jenny: Klar, ist ja auch eine Standard-Frage… (noch mehr lachen) …

Megaherz: Es ist immer total schwierig, wenn jemand fragt, was der Lieblingssong ist. Ich weiß nicht, ist vielleicht, weil man selber so nah dran ist. Die Anspieltipps wären tatsächlich „Vorhang auf“, „Komet“ und „Von oben“. Hört euch einfach mal das Album an, man kann es denken wir ganz gut durchhören ohne zu skippen… hoffen wir.

 

Drum rum haben wir natürlich die Themen auch noch etwas vertieft, auch kurz über die Vorteile von CDs gegenüber Streaming philosophiert. Die Zeit mit Christian „X-ti“ Bystron und Christoph „Chris“ Klinke, die sich die Zeit für das Interview genommen haben, war ruckzuck um.

Auf der Bühne rockten die Mitglieder von Megaherz gemeinsam die volle Turbinenhalle, es war ein großartiger Abend, der megamäßige Vorfreude auf das nächste Mal hinterließ.

Wer nun Lust hat, mehr über den Abend des 23.03.2018 zu erfahren, ist natürlich herzlichst eingeladen, auch das Interview mit Schattenmann sowie den Konzertbericht zum 23.3.18 in Oberhausen zu lesen. Letzteren findet Ihr auf Facebook, während das Interview auch hier auf meiner Homepage ist ;)

 

Mir bleibt nun noch ein fettes DANKE an Megaherz, die mir die Chance für das Interview gaben und die CD, die meine Sammlung jetzt bereichert. Wer KOMET noch nicht kennt, hört rein und überzeugt euch selbst. Ihr bekommt es bei den gewohnten Dealern eures Vertrauens.

 

Infos zur Band, Tour Dates, Aktuelles usw. findet ihr auf www.megaherz.de, Facebook @OfficialMegaherz und Instagram megaherzoffiziell.

 

Ein kleines Album mit Bildern vom Megaherz-Konzert in Oberhausen gibt es zusätzlich auf Firebird Photography, Facebook.

Hier ist die kleineAuswahl:

 

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